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Volker Himmelseher: Das Drachenbaum-Amulett
Teneriffa-Krimi
Auf Teneriffa ereignen sich rätselhafte
Serienmorde, vor denen auch Touristen nicht verschont bleiben. Am Tatort
bleibt jedes Mal ein kleines Drachenbaum-Amulett zurück: das Indiz für eine
Opferweihe? Kriminalpsychologin Dr. Teresa Zafón zeichnet das Profil
eines Ritualmörders, der schon bald wieder zuschlagen wird... Die Spur
der Ermittler führt in den Souvenir-Großhandel.
Zech Verlag, Teneriffa 2010, ISBN 978-84-934857-8-8, Verkaufspreis auf den
Kanaren (steuerfrei) 9,80 EUR. Unverb. Preisempfehlung für Europa: 16,90
Euro.
Leseprobe aus "Das Drachenbaum-Amulett"
Doktor Zafón war eine gut aussehende Frau. Sie
war gewohnt, dass ihr sofort alle Männerherzen mit Sympathie und
Freundlichkeit entgegenschlugen. So war es auch dieses Mal. Sie traf in
der Runde schließlich nur auf Männer. Entsprechend entspannt und
selbstsicher trat sie auf. Der junge Álvarez konnte seinen Blick kaum
von ihren weiblichen Konturen lassen. Als sie das bemerkte, blickte sie
fest zurück, bis er die Augen niederschlug und errötete. Dem wachsamen
Massagué blieb das nicht verborgen. Er schmunzelte mit der Erfahrung des
Alters.
Der Inspektor bot der Psychologin den einzigen Sessel im Raum an und
fragte galant, ob sie Kaffee wolle. Dr. Zafón bat um eine genaue
Schilderung der Sachverhalte. Sie nahm ihr schwarzes Notizbuch zur Hand,
um sich Stichworte aufzuschreiben. Álvarez wurde für die
Berichterstattung ausgewählt. »Er brachte schließlich das Ganze ins
Rollen«, warf Martín erklärend ein. Nach kurzer Bedenkzeit meldete sich
die Psychologin mit ersten Schlussfolgerungen:
»Viel geben die
Fakten noch nicht her, aber ich werde versuchen, alles aufzuzählen, was
sich schon daraus folgern lässt. Unser Täter ist mit ziemlicher
Sicherheit ein Mann. Es dürfte kaum eine Frau geben, die ihre Opfer,
selbst mit Überraschungseffekt, ohne jede Spur von Gegenwehr ermorden
und dann auch noch wegschleppen kann. Im ersten und zweiten Fall ergibt
sich ein solches Szenario. Der Täter scheint mir ein Pedant, ein
Ordnungsfanatiker zu sein. Alles um das Opfer oder den Tatort wird jedes
Mal klinisch sauber zurückgelassen, ganz ohne Spuren. Ich will nicht
annehmen, dass die noch auftauchen«, schränkte sie ein. »Jedes Mal gibt
der Täter seinem Opfer das Amulett mit auf den letzten Weg. Das
unterstreicht sein Bedürfnis nach Ordnung und Regelmäßigkeit. Vielleicht
hat er einen Beruf, der ihm solche Eigenschaften abverlangt. Auf den
Punkt gebracht, er scheint mir eine Buchhalterseele zu sein.« Die
Doktorin wusste nicht, wie nahe sie mit ihrer Einschätzung der Wahrheit
gekommen war.
(Volker Himmelseher)
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